Alles hat eine Moral, nur die Wurst hat zwei

In deutschen Supermärkten herrscht der Irrsinn, der „PREIS-IRRSINN“:

Preis-Irrsinn im Supermarkt - Fleisch billiger als Obst!

„Schweineschnitzel zum halben Preis, das Kilo für 4,49 Euro“, „Rinderbraten für 5,55 Euro“, „2,99 Euro das Pfund“ Putenschnitzel — Bild.de hat völlig Recht, dass man mal darüber nachdenken sollte, ob das alles noch ganz richtig ist, für die Tiere, für die Bauern, für die Verbraucher:

Fleisch zieht, vor allem billiges Fleisch. Darauf setzen die Werber — allen Debatten über Gesundheit und Tierschutz zum Trotz.

Eine Lebensmittel-Expertin vom „Bundesverband der Verbraucherzentralen“ erklärt im Bild.de-Artikel von gestern: Die fleischigen Lockvogel-Angebote aus den Supermarkt-Prospekten würden künstlich billig gemacht und quersubventioniert:

„Wenn sie damit eine fünfköpfige Familie in den Laden bekommen, die für 150 Euro ihren Wocheneinkauf macht, dann rechnet sich das.“

Also, zusammengefasst: Es gibt Bedenken, ob die Billig-Fleisch-Angebote verantwortungsvoll sind. Und sie sollen die Leute in die Supermärkte und Discounter locken, damit die dort noch mehr Kohle lassen.

Die „Bild“-Zeitung feiert diese Woche ja groß ihr Jubiläum: 65 Jahre „Bild“. Gestern bekam ganz Deutschland als Geschenk ungefragt die Gratis-„Bild“ in den Briefkasten gesteckt. In der heutigen Ausgabe gibt es für alle Leserinnen und Leser den „Geburtstags-Kracher von LIDL & BILD“: mit einem Coupon, den man ausschneiden muss, bekommt man — damit sich jeder auch mal wieder das teure Obst leisten kann — bei „Lidl“ ein halbes Kilo Erdbeeren, eine Mango und einen Ananas-Kokos-Banane-Smoothie, alles zusammen für 1,99 Euro.

Ach nee, das Angebot sieht doch etwas anders aus:

Zum Geburtstag geben BILD und LIDL einen Aus - Grill-Knaller-Paket - Sechs Würstchen, ein Ciabatta und ein Bier für 1,99 Euro!
(„einen ausgeben“ für „1,99 Euro“ — sowas schafft auch nur „Bild“)

Sechs Rostbratwürstchen, dazu eine Büchse Bier und ein Brot für 1,99 Euro. Sechs Rostbratwürstchen sind 540 Gramm Fleisch. Zu diesem „PREIS-IRRSINN“ können wir nur noch einmal Bild.de zitieren:

Fleisch zieht, vor allem billiges Fleisch. Darauf setzen die Werber — allen Debatten über Gesundheit und Tierschutz zum Trotz.

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Justizia live, Bedrohter Gronkh, Fake-News über RT-Deutsch

1. Bundesgerichte: Parlament erlaubt Live-Streaming von Urteilsverkündungen
(heise.de, Stefan Krempl)
In seltener Einigkeit wurde der Gesetzesentwurf der Bundesregierung von den Fraktionen beschlossen: Urteilsverkündungen der obersten Bundesgerichte dürfen bald über Internet und Fernsehen übertragen werden. Und auch für mündliche Verhandlungen gelten demnächst neue Regeln. Generell solle es auch zulässig werden, Tonaufnahmen mündlicher Verhandlungen in einen Arbeitsraum direkt vor Ort für Medienvertreter zu übertragen.

2. „Wenn Deniz schreibt, lebt er in einer anderen Welt“
(welt.de, Hilal Köse)
Die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ hat mit Dilek Mayatürk Yücel gesprochen, die seit April mit dem in der Türkei inhaftierten Denis Yücel verheiratet ist. Im Interview geht es um die Haftbedingungen, aber auch um Gefühle. So endet das Gespräch mit einem Liebesgedicht und den an Denis Yücel gerichteten Worten: „Ich liebe dich sehr. Ich küsse deinen Edelmut. Und bitte, rauch nicht so viel, okay?“

3. Viele nutzen soziale Medien, vertrauen ihnen aber nicht
(de.ejo-online.eu, David Levy)
In den meisten Ländern vertrauen die Nutzer weiterhin klassischen Nachrichtenmedien mehr als den sozialen Medien. Zu diesem Ergebnis ist jedenfalls der sechste „Digital News Report“ gekommen, der auf einer Online-Befragung von 70.000 Mediennutzern in 36 Ländern basiert.

4. Medienanstalt droht mit Verfahren gegen Gronkh
(golem.de)
Die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen scheint Ernst zu machen: Nach Peter Smits („Pietsmiet TV“) wurde nun auch Erik „Gronkh“ Range aufgefordert, eine Rundfunklizenz vorzulegen. Die Begründung: Da es sich um eine regelmäßige Sendung mit mehr als 500 Zuschauern handele, sei eine entsprechende Zulassung nötig. Gronkhs Anwalt hat einen Antrag auf „rundfunkrechtliche Unbedenklichkeit“ gestellt, den die Medienanstalt vorerst abgelehnt hat. Pikanter Nebenaspekt: Im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung von NRW sei vereinbart worden, dafür zu sorgen, dass Streamer künftig keine Rundfunklizenz mehr benötigen. Die Umsetzung könne jedoch Jahre dauern.

5. Als ich versehentlich Fake-News über Russia Today Deutschland (RT-Deutsch) verbreitet habe…
(politicaldatascience.blogspot.de, Simon Hegelich)
In einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ hieß es, eine Studie würde belegen, dass „Russia Today Deutsch“ (RT-Deutsch) auf Facebook die einflussreichste deutsche Nachrichtenseite sei. Der Autor der Studie, Prof. Simon Hegelich von der TU München, reagiert darauf („Unsinn“) und erklärt, wie es zu der Falschmeldung gekommen ist.

6. „Überall war Helmut Kohl“
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Nach dem Tod von Helmut Kohl fühlte sich Kolumnistin Silke Burmester in einer „Kohl-Matrix“ gefangen. Wohin sie auch sah, liefen Sondersendungen, Live-Schalten und Dokumentationen. „Es scheint mittlerweile egal, was da kommt, ob ein Unwetter, ein Terrorangriff oder der erwartbare Tod einer Persönlichkeit. Man unterscheidet nicht mehr, ob das Ereignis eine Relevanz für die Gegenwart hat oder ob es allein eine emotionale Bedeutung hat – alles wird genutzt, um zur Ergötzung der eigenen, sender-immanenten Eitelkeit den Apparat in Bewegung zu halten.“

Erst die Nazi-Silber-Schatz-Sensation, dann die Recherche

Die „Bild“-Zeitung gestern morgen:

Bild.de gestern am Nachmittag:

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Irre Fell-Monster werden nach Mega-Flut zur Todesfalle

Zum Boulevard gehört, dass die Schlagzeilen oft spannender klingen, als die Geschichten dahinter tatsächlich sind. Gut, es gibt auch Gegenbeispiele. Aber das sind wirklich eher Ausnahmen:

Im Prinzip kann man aus allem eine Schlagzeile machen. Ich will mal versuchen zu erklären, wie das geht. Am besten anhand von ganz alltäglichen Beispielen.

Stellen Sie sich die folgende Situation vor: Sie kommen nach einer mehrtägigen Reise zurück nach Hause, aber Ihre Familie scheint nicht da zu sein. Alles ist dunkel, und in der gesamten Wohnung riecht es verdächtig nach Komposthaufen. Sie ziehen leise Ihre Schuhe aus und verfolgen den Gestank auf Socken zurück bis ins Kinderzimmer. Es ist dunkel, Sie können noch immer nichts sehen. Und deshalb bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist es der Hamsterkäfig. Oder unter dem Bett liegt eine Leiche.

Ralf Heimann hat vor ein paar Jahren aus Versehen einen Zeitungsbericht über einen umgefallenen Blumenkübel berühmt gemacht. Seitdem lassen ihn abseitige Meldungen nicht mehr los. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt zusammen mit Jörg Homering-Elsner „Bauchchirurg schneidet hervorragend ab — Perlen des Lokaljournalismus“. Fürs BILDblog kümmert er sich um all die unwichtigen Dinge, die in Deutschland und auf der Welt so passieren.
(Foto: Jean-Marie Tronquet)

Stop. Als Boulevardjournalist bleiben Sie im Türrahmen stehen. Wenn Sie jetzt unter dem Bett nachsehen, machen Sie sich womöglich eine sensationelle Geschichte kaputt. Und das wollen Sie ja wohl hoffentlich nicht riskieren.

Aber Moment — da war doch was? Aus der Küche dringen Geräusche. Wer könnte das sein? Der Mörder, der sich nach getaner Arbeit noch schnell ein Käsebrot schmiert? Ein stinknormaler Einbrecher? Ein Familienmitglied?

Schleichen Sie langsam zur Küche. Nehmen Sie am besten einen Kerzenständer mit oder irgendetwas anders, womit Sie zuschlagen können. Wir wollen es aber nicht zu kompliziert machen. Gehen wir also einfach mal davon aus, dass in der Küche ein Familienmitglied steht. Was machen Sie?

Die meisten Menschen würden irgendwie auf sich aufmerksam machen und sagen:

Oh, ich hab dich gar nicht gehört. Sag mal, im Kinderzimmer stinkt’s ja ganz schön.

Aber Sie sind Boulevardjournalist. Deshalb gehen Sie etwas anders vor:

Hör zu! Ich habe einen schrecklichen Verdacht! Sag mal, liegt im Kinderzimmer unter dem Bett eine Leiche?

Nun wird man Sie zu Hause allerdings schon kennen. Und wenn man ein bisschen weiß, wie Boulevardjournalisten so ticken, sieht man schon am Fragezeichen: Anscheinend keine Belege vorhanden. Die Antwort ist also meistens: „Nein!“

Sie kennen das von Bild.de.

Die ehrlichere Überschrift wäre:

Aber dann wäre es keine Story mehr. Sie müssten sich um andere Inhalte bemühen. Dazu müssten Sie recherchieren. Und das wollen Sie ja auch nicht.

Neulich hatten sie bei Bild.de eine Geschichte, in der noch eine andere Boulevard-Sirene mit dem geheimnisvollen Fragezeichen verknüpft wurde: das aufmerksamkeitsheischende Wort „irre“. Auf einem Foto war eine Frau zu sehen, auf deren Gesicht einige Skorpione herumkrabbelten. Darüber stand:

Das Wort „irre“ passt im Boulevard immer, sobald etwas einen Millimeter von der Norm abweicht. Trainer wird in der Pressekonferenz etwas lauter. Song klingt live gespielt anders als sonst. Fußballer nimmt Dose vom Boden auf.

Das alles finden sie in der „Bild“-Redaktion „irre“ (Okay, ich hab‘ mir die David-Hasselhoff-Performance gerade noch mal angehört. Die klingt wirklich irre).

Man kann die Liste endlos fortführen. Sockenpaare nach dem Waschen noch vollständig. Handwerker kommt fünf Minuten zu früh. Taxifahrer hat passendes Wechselgeld. Irre!

Im Falle der Frau mit den Skorpionen im Gesicht stellte sich im Text dann heraus, dass die meisten Skorpione allenfalls so gefährlich sind wie Bienen oder Wespen — und die Frau sicher mutig war, aber ganz sicher nicht „irre“. Irre war eigentlich nur eins an der Geschichte: die Dachzeile.

Aber noch einmal zurück in die Küche. Da werden wir das gerade Gelernte gleich anwenden können. Sie stehen also noch immer in der Tür und wissen: Die Geschichte mit der Leiche nimmt Ihnen hier keiner ab. Was also machen Sie?

Genau. Da war ja noch der Hamsterkäfig. Und wenn der die Ursache für diesen unglaublichen Gestank sein sollte, dann steht eines sicher fest: Irgendetwas mit den Viechern stimmt nicht. Nur, wie verkaufen Sie das zu Hause?

Du, ich glaub, die Kinder müssten den Hamsterkäfig langsam mal wieder saubermachen.

Nein. Vollkommen falsch. Vergessen Sie nicht: Sie sind Boulevardjournalist. Probieren Sie es doch einfach mal so:

Haben Sie das Prinzip verstanden? Gut. Dann testen wir das jetzt mal.

Diese Pfütze morgens vor der Dusche, die muss ja nun wirklich nicht immer sein.

Na? Wie würden Sie das formulieren?

Oder das hier?

Wenn beim Abtrocknen ein Glas zerbricht, dann werft es bitte nicht in den Mülleimer. Sonst greift nachher irgendwer rein und verletzt sich.

Genau:

Und das hier?

Der Junge verlangt aber neuerdings ganz schön viel Geld fürs Rasenmähen.

Vielleicht so?

Und wenn man dem Jungen das dann irgendwann mitteilt, kann man ihn ja vielleicht auch noch mal drauf hinweisen, dass er zu seiner kleinen Schwester auch mal etwas netter sein kann. Wie könnte man das Problem beschreiben?

Volle Punktzahl.

Jetzt muss man das alles natürlich noch irgendwie zur Sprache bringen. Zettel auf den Tisch legen hilft da erfahrungsgemäß wenig. Daher wäre ein guter Termin wohl das Abendessen. Überlegen Sie sich, wann ein guter Zeitpunkt wäre. Sehen Sie zu, dass alle Familienmitglieder am Tisch sitzen. Und dann stellen Sie am besten zuallererst klar, natürlich ganz stilecht:

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LeFloid lässt satirischen Adolf Hitler auf Youtube auferstehen

Gestern titelte die „Bild“-Zeitung riesengroß: „Hitlers Silber-Schatz gefunden“, dabei hätte es eine noch eine viel größere Adolf-Hitler-Story gegeben: „Youtube-Star findet Hitler“.

Wobei — genauer müsste die Schlagzeile heißen: „LeFloid findet einen Typen, der meint, er sei Adolf Hitler, dabei ist die gesamte Geschichte nicht echt und stammt von einer englischsprachigen Satireseite, was LeFloid aber nicht checkt und das Ganze seinen meist jungen Zuschauern als echte Irrsinnsgeschichte verkauft“.

Fangen wir vorne an. Es geht um dieses Video, das 3,1-Millionen-Abonnenten-Youtuber LeFloid gestern in seinem Kanal hochgeladen hat:

Gleich zu Beginn die erste Story: „Typ behauptet er sei Adolf Hitler“. LeFloid sagt dazu:

Es ist ja tatsächlich so, dass eine der populärsten Verschwörungstheorien besagt, dass Hitler sich damals gar nicht selber umgebracht hat, sondern in Wirklichkeit nach Argentinien geflohen ist. Nun geistert doch tatsächlich eine unglaubliche Geschichte durchs Netz, nämlich ein 128 Jahre alter Argentinier. (…) Der hat sich jetzt an die Öffentlichkeit gewandt und behauptet steif und fest, er sei Adolf Hitler. Okay, what? Zeitlich und optisch kommt das Ganze wohl hin, behaupten zumindest Beobachter und eben Leute in einschlägigen Foren.

In dem 2:40 Minuten langen Part über das angebliche Wiederauftauchen Hitlers geht LeFloid noch verschiedene mögliche Motivationen des alten Mannes durch, jetzt „mit dieser Geschichte, mit dieser Behauptung an die Öffentlichkeit zu gehen und sich zu stellen“. Und er äußert auch gewisse Zweifel, dass es sich bei dem Argentinier wirklich um Adolf Hitler handelt:

Nun bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei tatsächlich um eine unfassbare Sensation handelt oder ob wir es doch einfach mit einem armen alten verwirrten Nazi-Opi zu tun haben, dessen Windungen ein bisschen zu sehr unter seiner Gesinnung und seinem Alter gelitten haben.

Nee, wir müssen gar nicht abwarten. Denn es handelt sich weder um eine „unfassbare Sensation“ noch um einen sonstwie „Nazi-Opi“. Bei dem Mann, den LeFloid zeigt …

… handelt es sich um Francis Morris. Und der stammt nicht aus Argentinien (oder aus Österreich), sondern aus dem englischen Ort Quarmby. Und er ist auch nicht 128 Jahre alt, sondern feierte vor etwa zweieinhalb Jahren seinen 100. Geburtstag:

Wie kommt es nun aber, dass der bemitleidenswerte Francis Morris im besten Fall als Hitler-Hochstapler und im schlimmsten als Hitler höchstpersönlich im Videokanal eines der größten deutschen Youtuber landet?

LeFloid, der einst Angela Merkel Fragen stellen durfte, gibt als Quelle seiner Geschichte einen am Dienstag erschienenen „Sputnik“-Artikel an:

Nun sollte man bei „Sputnik“, gegründet vom staatlichen russischen Medienunternehmen „Rossija Sewodnja“, sowieso schon mal skeptisch sein. Dass in dem Text keine konkrete Quelle, außer ziemlich schwammig „lokale Medien“, angegeben wird, sollte einen vielleicht auf die Idee bringen, noch etwas zu recherchieren, bevor man den Kindern und Jugendlichen, die einem regelmäßig zuschauen, irgendeinen Blödsinn erzählt.

Man stößt dann ziemlich schnell auf einen Artikel der Seite „World News Daily Report“ vom 13. Juni:

Der 128-Jahre-Hitler steht dort zwischen Artikeln mit Überschriften wie „BABYSITTER TRANSPORTED TO HOSPITAL AFTER INSERTING A BABY IN HER VAGINA“ oder „TORNADO CARRIES MOBILE HOME 130 MILES, FAMILY INSIDE UNHARMED“. Machen wir es kurz: „World News Daily Report“ ist eine Satireseite, wie man ohne Probleme im Disclaimer nachlesen kann.

Nun hat LeFloid nie behauptet, dass der Mann aus Argentinien tatsächlich Adolf Hitler ist. Aber er tut so, als würde der Argentinier tatsächlich existieren, als hätte dieser tatsächlich Interviews gegeben und die Hitler-Behauptung aufgestellt. LeFloids Video hat — Stand: 22. Juni, 10:06 Uhr — bereits über 460.000 Aufrufe.

Mit Dank an Nic S. für den Hinweis!

Nachtrag, 17:51 Uhr: Einige Leser weisen zu Recht darauf hin, dass schon das angebliche Alter von 128 Jahren hätte stutzig machen müssen. Der Rekord des höchsten erreichten (und nachgewiesenen) Lebensalters liegt bei 122 Jahren. Die Französin Jeanne Calment hält ihn.

Mit Dank an @Hogachaka und Stefan S. für die Hinweise!

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Antisemitismus-Doku, Ausgesperrt, Macrons Mediendistanz

1. „Haben Sie nicht!“ – „Haben wir doch!“
(sueddeutsche.de, Matthias Drobinski)
Nun wurde sie doch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt: Die umstrittene Antisemitismus-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf die Juden in Europa“. Der TV-Sender „Arte“ hatte die Ausstrahlung verweigert, es gebe handwerkliche Mängel. Nachdem „Bild“ den Film für 24 Stunden online gestellt hatte, ist die „ARD“ nachgezogen und hat die Doku gesendet. Jedoch mit eingeblendeten Hinweisen auf den online abrufbaren Faktencheck der WDR-Redaktion mit 29 kritischen Anmerkungen. Danach wurde sich bei Sandra Maischberger zum Talk zusammengesetzt, wo der Streit teilweise ins Absurde abgerutscht sei.

2. Fernsehen wird zum Luxusgut
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Wird Fernsehen zum Luxusgut? In Bezug auf manches Sportevent schon, wie der Rechtepoker um die Champions League beweist. Die Öffentlich-Rechtlichen werden nicht nur vom Privatfernsehen, sondern auch von Streamingdiensten bedrängt: „Während einst die billigen Plätze vor der Glotze waren, sind sie heute in den algorithmischen Endlosschleifen auf Facebook oder Youtube. Die Bezahlschranke wird zum sozialen Selektionskriterium. Wer sich die Zusatzgebühr für die Zaubertricks von Messi und Co. nicht leisten kann oder will, schaut am Ende in die Röhre.“

3. Märchenprinz mit Kennedylächeln
(deutschlandfunk.de, Jürgen König)
Der französische Präsident Emmanuel Macron hält Distanz zu den Medien. Manche werfen ihm dies als überzogene Kontrolle und Zensur vor, manche loben es als notwendige und längst fällige Wende im Umgang mit den Medien. „Das Ansehen der Presse ist schlecht in Frankreich – wie das der Politik. Es sind nicht wenige Franzosen, die Journalisten und Politiker der Kumpanei bezichtigen. Vielleicht geht Präsident Macron auch deshalb auf so deutliche Distanz.“

4. Warum wir Terrorbilder trotzdem zeigen
(nzz.ch, Peter Rásonyi)
Dürfen Medien Bilder von Terroranschlägen zeigen oder verbreiten sie damit nur noch mehr Schrecken und machen sich womöglich zu Komplizen der Terroristen? Die „NZZ“ würde Bilder zeigen, aber im Einzelfall abwägen. „Trotzdem ist unvermeidlich, dass dies stets in Grauzonen erfolgt. Das Ergebnis einzelner Entscheidungen kann von Lesern unterschiedlich empfunden werden. Wir sind uns dessen bewusst und stellen uns gerne dem Dialog mit ihnen.“

5. Sächsische Zeitung: Reporter bei Konsum-Bilanz-PK ausgesperrt
(flurfunk-dresden.de)
Die „Konsum Dresden Genossenschaft“ hat einen Journalisten der „Sächsischen Zeitung“ von ihrer Bilanzpressekonferenz ausgeschlossen. Ohne Begründung wurde ihm der Zugang zur Veranstaltung verwehrt. Der vermutete Hintergrund: Der Journalist hatte in der Vergangenheit kritisch über das Unternehmen berichtet. „Sächsische Zeitung“ und die Landespressekonferenz LPK haben das Verhalten der Konsum Genossenschaft kritisiert und missbilligt.

6. Schlag ins Gesicht
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Ab Freitag zeigt Netflix die Doku „Nobody Speak: Trials of the Free Press“. Im Kern geht es um den bizarren Rechtsstreit zwischen dem früheren Profi-Wrestler Hulk Hogan und der Klatsch-Website „Gawker“, die Ausschnitte eines privaten Sexvideos mit Hogan gezeigt hatte. Hogan hatte daraufhin das Portal verklagt und bekam 140 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen. Eine Summe, die „Gawker“ in die Pleite riss. Später stellte sich heraus, dass der Silicon-Valley-Milliardär und Paypal-Gründer Peter Thiel den Rechtsstreit finanziert hatte. Wohl angetrieben von persönlichen Rachegedanken gegenüber der Plattform, die ihn einst geoutet hatte.

Gratis-„Titanic“ gegen Gratis-„Bild“ reloaded

Morgen könnte, wir berichteten bereits gestern darüber, in Ihrem Briefkasten eine Gratis-„Bild“ stecken. Bisher hatten sie dann vier Möglichkeiten bei Ihrem weiteren Vorgehen:

  • alles völlig egal finden
  • den Briefkasten nie wieder leeren
  • genüsslich die „Bild“-Zeitung lesen

Dank der Partei „Die PARTEI“ gibt es seit heute aber noch eine fünfte Möglichkeit: Sie können Ihre Gratis-„Bild“ gegen eine Gratis-„Titanic“ tauschen. Zumindest, wenn Sie morgen zwischen 13 und 18 Uhr in Hannover sind (weitere Orte siehe „Nachtrag“ weiter unten).

In einer Pressemitteilung von heute unterbreitet „Die PARTEI Hannover“ folgenden Vorschlag, was Sie morgen mit Ihrem Gratis-„Bild“-Exemplar anfangen könnten:

Der Axel-Springer-Verlag wird am morgigen Donnerstag, den 22.06.2017, erneut an alle Haushalte in der BRD ungefragt eine Bildzeitung zustellen. Doch was tun mit einem Geschenk, das doch eigentlich keiner will? (…)

Eine wünschenswerte Heizstoffspende nach Syrien oder Irak kommt aus logistischen Gründen nicht in Frage, so dass sich Die PARTEI Hannover mit Hilfe ihres exklusiven Sponsors, dem Titanic-Magazin, eine praktikable Lösung des Papierproblems erdacht hat und der Bevölkerung folgendes großzügige Angebot unterbreitet:

Die PARTEI Hannover wird am morgigen Donnerstag, den 22.06.2017 (direkt am Kröpcke, zwischen 13.00 – 18.00h) jede* (in Versalien: JEDE*) „Gratisbild“ gegen eine Ausgabe des Faktenmagazins der Marke „TITANIC“ umtauschen. Ohne Wenn und Aber!*

* Solange der Vorrat reicht! Danach werden bereits eingenommene Gratis-BILD-Zeitungen gegen Gratis-BILD-Zeitungen getauscht. Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen, max. 3 pro Person!

Also, an alle Hannoveranerinnen und Hannoveraner: Morgen tagsüber ab zum Kröpcke und sich endlich mal ein ordentliches journalistisches Produkt sichern.

Und ja: Dieses Angebot ist ernst gemeint, wie uns auf Nachfrage bestätigt wurde. Vor knapp drei Jahren gab es schon einmal eine große, erfolgreiche „Bild“-gegen-„Titanic“-Tauschaktion.

Nachtrag: An folgenden Orten können Sie am Donnerstag, 22. Juni, ebenfalls die Gratis-„Bild“ gegen eine Gartis-„Titanic“ eintauschen:

  • Göttingen: 13:15 bis 16:45 Uhr, Reinhäuser Landstr. 4, Raum 232 P² Fraktion
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Deutschland spricht, Football Leaks, Farbenlehre

1. Einen Mirko gibt es hier nicht
(zeit.de, Jochen Wegner)
„Die Zeit“ hat die Aktion „Deutschland spricht“ ins Leben gerufen, bei der Menschen ein Gesprächspartner mit politisch gegensätzlichen Ansichten vermittelt wurde: Für ein persönliches Treffen und politisches Zwiegespräch (hier der Werkstattbericht). Auch „Zeit Online“-Chef Jochen Wegner hat sich vom Matching-Algorithmus einen Gesprächspartner zuweisen lassen. Sein Bericht über die Begegnung mit seinem andersdenkenden Counterpart „Mirko“ ist ein spannend zu lesendes Stück Journalismus.

2. Buhrows Farbenlehre
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Beim gemeinsam von „ARD“ und „ZDF“ geführten Ereignis- und Dokumentationskanal „Phoenix“ steht demnächst ein Wechsel an der Spitze an: Einer der zwei Chefposten wird neu besetzt. Hans Hoff erklärt, nach welchen Kriterien die Personalentscheidung läuft, und das hat viel mit „politischer Farbenlehre“ zu tun.

3. „Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann über Fußballjournalismus: „Bei regionalen Tageszeitungen besteht ein enormes Abhängigkeitsverhältnis“
(kress.de, Frank Hauke-Steller)
„Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann hat zusammen mit seinem Kollegen Michael Wulzinger ein Buch über „Football Leaks“ und die schmutzigen Geschäfte im Profifußball geschrieben. Der Whistleblower „John“ hatte dem „Spiegel“ ein Datenkonvolut von 1,9 Terabyte, umgerechnet 18,6 Millionen Dokumente, zukommen lassen. In Interview erzählt Buschmann von seinem Kontakt mit John und der Entscheidung, das Material mit den 60 EIC-Kollegen und den dahinterstehenden zwölf anderen europäischen Medienhäusern zu teilen. Und es geht natürlich um den Fußball und die Zukunft des Fußballs.

4. „Bundestag beschränkt Arbeit von Journalisten“
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der Bundestag hat seine „Zugangs- und Verhaltensregeln“ überarbeitet und an zahlreichen Stellen die Möglichkeiten für Berichterstattung verschlechtert. Die Bundespressekonferenz (BPK), ein Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten, ist wegen der verschärften Regeln für Journalisten im Bundestag erzürnt und fordert eine Rücknahme beziehungsweise Neugestaltung. Der DJV sieht in den neuen Regelungen eine „weitgehende Verhinderung von Journalismus“.

5. Insel der Möglichkeiten
(taz.de, René Martens)
Das Monatsmagazin „Tempo“ ist vielen noch in Erinnerung, obwohl es nur in den zehn Jahren zwischen 1986 und 1996 erschien. Das liegt auch an prominenten Namen wie Christian Kracht, Maxim Biller oder Sibylle Berg, die man mit dem Magazin verbindet. Nun wird der Name des legendären Monatsmagazins von einem Verlag für ein neues Projekt genutzt. René Martens erinnert sich an die Zeiten, in denen er selbst in Hamburg für „Tempo“ arbeitete.

6. Die wirklich sehr deutsche Geschichte vom Immer-Schlauer-Sein
(medium.com, Gerald Hensel)
Gerald Hensel hat den „Ramadan Friedensmarsch“ von „#NichtMit uns – Muslime & Freunde gegen Gewalt und Terror“ zum Anlass genommen, über den medialen Umgang mit politischen Ideen nachzudenken: „In nichts lernt man die Geringschätzigkeit auch großer deutscher Presseerzeugnisse so gut kennen, wie in ihrer Abschätzigkeit gegenüber jeder neuen politischen Idee. Die Methode ist simpel und hat für die, die sich dessen ausgesetzt sehen, einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt: die rechte Bubble weidet sich an deinem vermeintlichen Fail, bildet das Narrativ. Danach ziehen meist einige große Medien nach.“ Die Aktivisten ermuntert er, bei der Sache zu bleiben. „Gebt euch noch mehr Zeit, die Idee zu entwickeln und dann werdet ihr ganz schnell sehen, wie schnell die Meinungsopportunisten wieder die Seite wechseln.“

Bild  

„Bild“ in die Tonne reloaded

Achtung, Achtung! Wichtige Durchsage: Übermorgen, am Donnerstag, 22. Juni, wird der Axel-Springer-Verlag wieder jeden Haushalt in Deutschland ungefragt mit einer „Bild“-Zeitung behelligen. Vermutlich will die Redaktion so sich und den 65. „Bild“-Geburtstag feiern. Und ordentlich Kohle machen: Der Preis für eine ganzseitige Anzeige dürfte, wie schon bei vergangenen „Bild für alle“-Aktionen, bei rund vier Millionen Euro liegen.

Wir haben blöderweise auch erst Ende vergangener Woche von der neuerlichen Belästigung im Briefkasten erfahren. Andernfalls hätten wir früher hier davon berichtet — dann hätten Sie noch rechtzeitig Einspruch gegen die unliebsame „Bild“-Zustellung einlegen können. Dafür ist es jetzt leider zu spät.

Lassen Sie uns also das Beste draus machen und gemeinsam „Bild“ ganz herzlich zum 65. gratulieren: Wie schon vor zwei Jahren soll #BILDindieTonne!

Und das geht so: Zerknüllen Sie am Donnerstag Ihre ungelesene Gratis-„Bild“ und werfen Sie sie direkt in den nächsten Mülleimer. Machen Sie ein Foto davon und posten Sie es bei Facebook (entweder hier oder bei dieser Facebook-Veranstaltung), bei Twitter (mit dem Hashtag #BILDindieTonne) oder bei Instagram (ebenfalls mit dem Hashtag #BILDindieTonne).

Hier noch einmal das Wichtigste zusammengefasst:

Ach, und noch ein Vorschlag von uns: Beschränken Sie sich wirklich nur aufs Zerknüllen der „Bild“-Zeitung. Das kollektive Verbrennen des Blatts kann schnell etwas von der Bücherverbrennung haben. Und außerdem wollen wir nicht, dass sich „Bild“-Oberchef Julian Reichelt deswegen wieder so aufregen muss.

Sollten Sie bei dem Gedanken, eine „Bild“-Zeitung in Ihrem Briefkasten liegen zu haben, schon jetzt spontan Herpes bekommen, gibt es noch eine Möglichkeit, schlimmere körperliche Schäden am Donnerstag zu vermeiden (allerdings können Sie dann nicht bei unserer #BILDindieTonne-Aktion mitmachen): Die Post, die die Zustellung der vielen Millionen „Bild“-Exemplare in ganz Deutschland übernimmt, hat ihre Mitarbeiter angewiesen, nach Aufklebern auf den Briefkästen zu schauen. Ein Sticker mit „Bitte keine Werbung einwerfen“ hilft gegen die Gratis-„Bild“ nicht; Sticker mit dem Hinweis, dass man keine kostenlosen Zeitungen oder Anzeigenblätter erhalten will — oder noch besser: dass man keine „Bild“-Zeitung erhalten will –, sollen hingegen vor unerwünschten „Bild“-Einwürfen schützen.

Gerne können Sie dafür diese …


(Draufklicken für größere Version.)

… oder diese Vorlage …


(Draufklicken für größere Version.)

… benutzen. Oder Sie kleben einfach einen kleinen Zettel mit „Hier keine ‚Bild‘ einwerfen“ auf ihren Briefkasten.

Nachtrag, 21. Juni: Sollten Sie morgen zwischen 13 und 18 Uhr in Hannover sein, hätten wir noch ein tolles Tauschangebot für Sie: Gratis-„Bild“ gegen Gratis-„Titanic“.

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„Maria W. hat ihre Geschichte frei erfunden“

Es verdichten sich die Hinweise, dass „Bild“ auf eine Betrügerin reingefallen ist.

Am 28. März 2015, vier Tage nach dem Absturz des „Germanwings“-Flugs 4U9525 in den französischen Alpen, veröffentlichte die „Bild“-Zeitung diese Titelgeschichte, die auch Bild.de aufgriff:



Die angebliche „Ex-Freundin“ von „Germanwings“-Co-Pilot Andreas Lubitz lieferte „Bild“-Reporter John Puthenpurackal genau die Bausteine, die wenige Tage nach dem Unglück für das Psychogramm eines Wahnsinnigen noch fehlten: Ausraster, Drohungen, die Ankündigung einer aufsehenerregenden Tat. Es passte alles wunderbar in das Bild, das Puthenpurackals Redaktion die Tage zuvor gezeichnet hatte.

In dem Artikel vom 28. März 2015 schrieb „Bild“:

Die Stewardess Maria W. (26) war eine zeitlang die Freundin von Todes-Pilot Andreas Lubitz (27).

Fünf Monate lang flogen sie im vergangenen Jahr zusammen durch Europa und übernachteten heimlich gemeinsam in Hotels.

BILD-Reporter John Puthenpurackal hat ihre Identität überprüft. Er ließ sich u.a. ein Foto zeigen, das die Stewardess und den Amok-Piloten bei einem Flug in derselben Crew zeigt.

Bereits im März dieses Jahres schrieb die Journalistin Petra Sorge in der „Zeit“, dass es trotz der Identitätsprüfung durch „Bild“ erhebliche Zweifel an der Geschichte von Maria W. gebe. Der für den „Germanwings“-Absturz zuständige Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa sagte damals: „Ich gehe davon aus, dass ihre Geschichte erfunden ist.“ „Bild“-Oberchef Julian Reichelt startete daraufhin eine ganz beachtliche Twitter-Kampagne gegen Sorge.

Heute liefert Petra Sorge in einem Artikel für „Buzzfeed“ neue Indizien dafür, dass Maria W. eine Hochstaplerin ist, und dass die „Bild“-Medien auf sie reingefallen sind.

Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass die Einsatzpläne bei „Germanwings“ aus Kostengründen so konzipiert waren, dass die Piloten am Ende eines Diensttages so gut wie immer in ihren Heimatflughafen zurückkehrten. Das Personal schlief dann meist in der eigenen Wohnung. Das passt kaum mit der Aussage von Maria W. zusammen, dass sie mit Andreas Lubitz durch Europa geflogen sei und heimlich mit ihm in Hotels übernachtet habe.

Außerdem ist es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass Andreas Lubitz und Maria W. „fünf Monate lang“ zusammen flogen. Bei „Buzzfeed“ sagt ein Sprecher von Lubitz‘ früherer Fluggesellschaft, dass die Crew täglich wechsle und man nur in Ausnahmefällen und durch Zufall mehrere Tage hintereinander gemeinsam fliege.

Schwerwiegender als diese Indizien ist eine Stellungnahme von RTL zu dem Fall. Maria W. hat sich nach der Veröffentlichung bei „Bild“ mit ihrem Anliegen nämlich auch bei dem TV-Sender gemeldet. Nach fünf Monaten Recherche stand für die Redaktion fest: Maria W. ist eine Betrügerin. Petra Sorge zitiert in ihrem „Buzzfeed“-Text einen RTL-Pressesprecher: „‚Wir können vollumfänglich bestätigen, dass Maria W. ihre Geschichte frei erfunden hat. Dies hat sie bei einem 4. Treffen im Dezember 2015 explizit zugegeben'“.

Bei diesem vierten Treffen soll Maria W. laut eines RTL-Abteilungsleiters auch gesagt haben, dass sie überrascht gewesen sei, wie viel Arbeit sich der Sender mit der Recherche gemacht hat. Das kannte sie von ihrem Kontakt mit der „Bild“-Redaktion und John Puthenpurackal offenbar nicht.

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